EvOLv von Ryan Sequeira

Science Fiction ist heutzutage meistens von immer wiederkehrenden Stereotypen gekennzeichnet.

Es muss im Weltraum spielen, in der Zukunft und Raumschiffe müssen vorkommen. Darüber hinaus sind Aliens also Außerirdische unerlässlich die fast immer den Menschen feindlich gesinnt sind. Es ist Krieg der Welten also.

Wenn nicht all das dann dient der Begriff Sci-Fi dazu das x-te Weltuntergangsszenario zu bewerben.

Das ist zwar Dystopie also streng genommen ein anderes Genre aber weil es in der Zukunft spielt muss ja auch SF sein! Die meisten Geschichten sind wie aus dem Baukasten für SF.

Evolv gegen die Monotonie der Baukasten-SF

OK, Schluss mit der langen Vorrede. Wie bereits erwähnt suche ich stets nach den Ausnahmen von der Regel. Es gibt tatsächlich immer wieder Werke die sich nicht entlang der typischen Klischees bewegen.

So ein Ausnahme-Werk ist Evolv von Ryan Sequeira. Dieses Buch von 2017, vom Verfasser EvOLv buchstabiert, das bislang nur auf Englisch erhältlich ist, sprengt den Rahmen von Sci-Fi mit links.

Der Titel hat korrekt so aus zu sehen: EvOLv: A pSyCHeDeLiC aDveNTuRE.

Evolv bewegt sich dermaßen jenseits aller Genre-Grenzen, dass es teils schlechte Reviews erhält. Die Lesenden sind schlicht enttäuscht kein konventionelles Muster erkennen zu können.

Ich war hingegen völlig berauscht. Das ist auch kein Wunder. Der Roman beginnt ähnlich wie die Nexus-Serie von Ramez Naan als Drogen-Geschichte.

Ein Jugendlicher Überflieger versucht buchstäblich mit allen Mitteln sein Bewusstsein zu erweitern.

So viel schon mal vorab: Der Protagonist wird es schaffen allerdings nicht aufgrund von Substanzen. Die Geschichte spielt nicht in der Zukunft – nicht wirklich – sie spielt gewissermaßen jetzt.

Trotzdem geht es nicht wie bei manchen „Near Future“ Sci-Fi Werken darum die unmittelbare Zukunft vorher zu sagen (das ist eher wie ein Wetterbericht). Nein, Evolv sprengt komplett den Rahmen – nicht nur die engen Genre-Grenzen der SF.

Der Stoff beginnt konventionell und endet spektakulär

Der Anfang ist noch konventionell doch mit zunehmenden Verlauft der relativ kurzen Geschichte nehmen die Geschehnisse einen immer überwältigenderen Verlauf an. Es gibt

  • geheime Laboratorien
  • Übermenschen mit Superkräften
  • Erleuchtete

deren Leuchtkraft angezapft werden soll um so etwas wie die Wiederkehr Gottes herbei zu führen. Wird es gelingen? Ja und nein. Das ist auch das Spannende an diesem Buch – es ist nie das was wir im Endeffekt erwarten.

Unterwegs gibt es für meinen Geschmack etwas zu viel sinnlose Gewalt aber das ist eher etwas was mir persönlich aufstößt weil ich nicht fernsehe oder Spiele spiele.

Die meisten Menschen sind aufgrund des Medienkonsums so abgestumpft, dass sie die Grausamkeiten wahrscheinlich kaum bemerken werden. Es ist jedoch nichts was ich Zwölfjährigen schenken würde. 16 oder eher 18 wäre die Grenze.

Wer keine Angst hat vor Themen wie das Bewusstsein und nicht gleich alles als „Esotetrik“ verwirft was nicht in das streng wissenschaftliche Verständnis passt wird an diesem Roman die helle Freude haben.

Evolv ist wie Eckhart Tolle für die Computerspiel-Generation.

Das Ende ist in jeglicher Hinsicht spektakulär und bricht endgültig mit den Traditionen der SF. Trotzdem hat Ryan Sequira alles mit hineingesteckt was der Sci-Fi Fan haben will: Es gibt unter Anderem

  • Unsterbliche
  • Raumschiffe
  • verrückte Wissenschaftler
  • Monster
  • den Weltuntergang

den es natürlich gilt abzuwenden. Ganz nebenbei gibt es auch schlüssige Erklärungen für viele unserer derzeitigen Probleme die alle Verschwörungstheorien erblassen lassen werden.

Ryan ist noch ein ganz junger Autor und somit noch nicht weltberühmt.

Er gibt sogar seine Kontaktdaten im Buch an. Ich habe ihm prompt geschrieben und auch umgehend eine Antwort erhalten. Wollen wir doch hoffen, dass eines der deutschen Verlage sich baldestmöglich darum kümmert ihn übersetzen zu lassen.

Der Autor hat inzwischen ein weiteres Werk verfasst und mich darüber benachrichtigt. Es heißt: iSA – A psychedelic gospel narrated by the Messiah’s guardian angel.

Na, wenn das nicht wie ein würdiger Nachfolger klingt?