Science Fiction vs Fantasy

Neulich war ich erstmals in der lokalen Bücherei und erwartete dort Science Fiction-Klassiker von

  • Asimov
  • Clarke
  • Lem
  • Strugatzki.

Zudem erhoffte ich mir Inspiration hinsichtlich neuer Werke mir noch unbekannter Namen. Was ich vorfand war stattdessen ein halbleeres Regal voll von Fantasy mit einigen wenigen Science Fiction Titeln dazwischen.

Es gab nur von Asimov inspirierte Kurzgeschichten eines Epigonen, Clarke gab es gar nicht, zumeist 20 Jahre alte und entsprechend wirkende Lem-Ausgaben und von den Strugatzki-Brüdern standen auch nur drei Bände da. Von neuen Namen kaum eine Spur. Fast alle SF-Titel waren sehr alt und nur Star Trek war zahlenmäßig gut vertreten.

Science Fiction verhält sich zu Fantasy wie Geschichte zu Mythologie.

Die Metapher hinkt zwar weil viele behaupten würden Geschichte sei ebenso Aberglauben aber der Vergleich zeigt den Unterschied treffend, Geschichte bemüht sich um eine realistische Darstellung, Mythologie verklärt.

  1. Während Science Fiction danach trachtet eine mögliche Zukunft zu erahnen versucht Fantasy eine Vergangenheit die es so nie gegeben hat zu erfinden.
  2. Während Science Fiction versucht in das unermessliche Weltall und in die Tiefen unserer unergründeten Menschlichkeit vorzustoßen beschränkt sich Fantasy auf nahe liegende und doch auf offensichtliche Weise unmögliche Welten mit plakativen Eigenschaften wie gut und böse.
  3. Während Science Fiction selbst in seiner pessimistischen Version von Fortschritt handelt oder zumindest dessen Scheitern hält Fantasy an mittelalterlichen Vorstellungen fest.
  4. Während Science Fiction sich andere Spezies und Zivilisationen vorstellt die uns oft übertreffen könnten schafft Fantasy aus dem Repertoire vergangener Epochen ein beliebiges Potpourri aus Drachen, Hexen und Trollen.

Science Fiction und Fantasy zusammen zu stellen ist ein komplettes Missverständnis.

Geschichten wie Herr der Ringe sind Märchen für Erwachsene die nur dem Alter nach reif sind, sich aber innerlich nach einer einfacheren Welt der Kindheit zurücksehnen.

Während Menschen und deren Verwandte wie Elben und Zwerge als von Natur aus guten Willens dargestellt werden sind die Feinde keine Menschen sondern Monster. Eine gängige Denkweise mit denen Kriege begründet werden, nicht zuletzt 1939.

Der Feind ist kein Mensch, er schlimmer als ein Tier, denn dieses tötet nur zum überleben nicht weil es böswillig ist. Das Monster aber tötet aus Vergnügen und als Selbstzweck.

Dabei ist der Mensch an sich das größte Monster und mordet sinnlos wie keine andere Spezies. Daher sind auch einige Filme die als Science Fiction angepriesen werden nichts anderes als in die Zukunft versetzte Fantasy. Ich meine damit Filme wie Alien oder Predator etwa. Sie sind lediglich die Projektion der menschlichen Ungeheuerlichkeit auf andere Zeiten oder Spezies.

Die scheinbar nahe liegende Frage „was ist der Unterschied zwischen Science Fiction und Fantasy?“ ist also falsch gestellt. Eher müssten wir fragen:

Was haben Science Fiction und Fantasy überhaupt gemeinsam?

Das einzige was Science Fiction und Fantasy verbindet ist der Ort an dem die Geschichten spielen: Sie finden nicht in unserer Realität statt. Mehr nicht.

Ist Science Fiction besser als Fantasy, oder Fantasy gar zu verdammen?

Weder noch. Beide Genres haben ihre Berechtigung. Sie unterscheiden sich jedoch diametral und haben nicht vermengt zu werden.

Wegweisende Sci-Fi ermöglicht uns eine Zukunft vorauszusehen oder gar zu planen wie wir sie sehen wollen oder befürchten. Hochkarätige Fantasy ist dazu da uns gänzlich von den Fesseln der Realität zu befreien und unseren Geist schweifen zu lassen.