Arrival – Erstkontakt zu Außerirdischen

Amy Adams trägt knallorangen Schutzangzug und hält Tafel mit dem Wort "human" (Mensch) in der Hand

Endlich mal ein Film bei dem der Erstkontakt zu Außerirdischen nicht nach Schema F abläuft. Ihr wisst schon. Die Außerirdischen greifen an. Krieg der Welten. Die Erde wird entvölkert etc.

Arrival versteht es die üblichen Klischees zu umschiffen oder kritisch auf zu greifen.

Das war überhaupt erst der Grund ihn mir an zu sehen. Ich bin es so Leid die debilen Kriegsfilme zu schauen die uns vor Aliens Angst machen wollen.

 

Wer hat Angst vorm grünen Mann?

Seit ich fast wöchentlich einen Sci-Fi Roman lese bin ich weitestgehend unabhängig vom kommerziellen Hollywood-Einheitsbrei wo immer wieder die selben Stereotypen aufgekocht werden.

Filme entstehen in den USA frei nach dem Motto: was sich schon mal verkauft hat wird wieder Erfolg an den Kassen haben, egal wie oft die gleiche Geschichte schon mal erzählt wurde.

Daher habe ich Filme wie den zweiten Independence Day gar nicht erst angeschaut. Den ersten hatte ich noch als Teenager gesehen und schon damals war mir der schwülstige Patriotismus an vielen Stellen zu viel.

Arrival hingegen vermischt gekonnt Elemente aus vielen einzigartigen Sci-Fi Filmen der Vergangenheit. Es behandelt Themen die wir so oder ähnlich in

  • Contact
  • Die Frau des Zeitreisenden
  • Der Tag an dem die Erde stillstand

gesehen haben ohne dabei eine billige Kopie zu sein. 12 fremde Raumschiffe tauchen über der Erde auf und hängen da erst einmal in der Botanik herum.

 

Was wollen die denn?

Es lässt sich kein Muster erkennen aber die üblichen Verdächtigen also USA (wo wir uns befinden), China und Russland erhalten jeweils Besuch.

Jedoch sind auch Länder wie Pakistan oder Sudan ebenso unfreiwillige Gastgeber/innen der interstellaren Flotte.

Anders als bei vielen Genre-typischen Verbrechen gibt es allerdings nicht gleich einen vernichtenden Schlag gegen die Erde oder auch keine andere feindlichen Akte.

Überhaupt gerieren sich eher die Erdlinge aggressiv anders als die stoischen Neuankömmlinge.

Es geht tatsächlich um einen ersten Kontakt nicht bloß um einen stupiden Schlagabtausch ala Alien vs Predator. Es wird also nicht zuerst geschossen und dann Fragen gestellt sondern umgekehrt. Halleluja!

Daher spielt die Hauptrolle in dem Streifen eine Linguistin also Sprachwissenschaftlerin Louise Banks.

Amy Adams verkörpert diese eher zurückhaltend. Sie scheint gerade ein Kind verloren zu haben. Das ist nicht ganz klar denn der Zeitrahmen ist etwas vage.

Als die Raumschiffe, die so gar nicht wie Ufos aussehen, landen bzw. auftauchen denn sie schweben stets über der Erde wird also die Linguistin beauftragt mit der Kontaktaufnahme.

 

Amy Adams schaut nachdenklich während das außerirdische Raumschiff unweit über dem grasgrünen Boden hängt

Verstehen lernen

Diese Prämisse des versuchten Verstehens ist der zentrale rote Faden des Films. Die private Geschichte der Wissenschaftlerin wird drumherum gestrickt was manchmal gelingt und manchmal nicht.

Im laufe des Films beginnen wir langsam zu begreifen so wie das zweier Team auch.

Der Linguistin ist natürlich auch ein echter Wissenschaftler zugeteilt, ein Physiker und den Oberbefehl hat selbstverständlich trotz Allem das Militär. So weit so realistisch.

Das hätte wirklich ein sehr guter Film werden können, irgendwie will der Funke nicht überspringen. Ich würde Arrival gerne mit solchen modernen Science Fiction Filmen in einem Kontext nennen wie

  • Moon
  • Interstellar
  • Der Marsianer

nennen aber das kann ich nicht. Warum? Die Gefühle und das Leiden der Protagonistin wirken nicht wirklich echt. Zu kühl und ausdruckslos spielt sie.

Die melancholische Hintergrundmusik und Beleuchtung wirken eher deprimierend aber nicht können nicht die Emotionen vermitteln.

 

unbegreiflich

Bei Contact, Moon oder Interstellar war das Leid und die Hoffnung zum Greifen nahe. Die Protagonisten schwitzten Blut und Wasser um am Rande der Verzweiflung ihre Lage unter Kontrolle zu bekommen.

Bei Arrival sieht es so aus als wäre die Ankunft der Außerirdischen nichts wirklich Besonderes. Die Schauspieler agieren zu nonchalant.

Die ganze Extremsituation gerät nur dann in den Blick wenn wir nebenher die Nachrichten sehen die von

  • Demonstrationen
  • Plünderungen
  • wachsenden Spannungen

zwischen den Weltmächten berichten. Der Fernseher läuft andauernd und erzeugt einen latent nervenden Kontext.

Irgendwie betrifft uns das alles nicht. Schade. Die Geschichte hätte das Zeug zu einem Meisterwerk aber das Endergebnis bleibt oberflächlich.

Es ist auch nicht wirklich spannend zuzusehen wie sich Menschen zunehmend selbst behindern und anstrengen die Aliens zu verstehen.

 

Amy Adams eingeüllt in eine Decke neben dem männlchen Nebendarsteller stehend an einem bewölkten Tag

Empfehlenswerter als Dutzendware

Natürlich ist Arrival noch x-mal empfehlenswerter als all die ängstlichen Projektionen der Vergangenheit die uns immer wieder die Panik vom Krieg der Welten auftischen.

Diese Ängste sind in Arrival mit eingebaut und werden als solche gezeigt aber nicht unnötig geschürt wie sonst üblich.

Arrival ist sehenswert wegen der einzigartigen Erklärung warum die Außerirdischen uns besuchen. Dieser Grund und die Sprache der Fremden sind wirklich originelle Einfälle.

Was mir im Detail den Film jedoch als Hard Sci-Fi verdorben hat sind teils grobe Schnitzer.

Zum einen werden die Forscher „gegen Bakterien geimpift“ obwohl es nur möglich ist gegen Viren zu impfen. Zum anderen sind die Aliens einem 100 Jahre alten Klischee entsprungen: sie haben Tentakeln!

Wer aber nicht 100% Hard Sci-Fi erwartet und kein Pedant ist wie ich wird das ignorieren können.

Was schwerer fällt nicht zu beachten ist die mangelnde Ausdrucksfähigkeit der Hauptdarsteller. Sie sind nicht wirklich glaubwürdig. Ihre Reaktionen sind einfach nicht angemessen. Sie schwitzen nicht mal allzu sehr.