Die drei wichtigsten Geschichten die Sci-Fi Filme immer wieder erzählen

Es gibt vor Allem drei Geschichten die Science Fiction Filme und leider zunehmend auch Romane immer wieder erzählen.

Die SF verwertet immer wieder drei bestimmte Kernaussagen und lässt sie in verschiedenen Kontexten einbetten.

 

Die drei Filme die wir immer wieder sehen

Es wäre nicht abwegig zu behaupten, dass über 90% aller Sci-Fi Werke eine der drei folgenden Geschichten ausschlachten:

  • Krieg der Welten (War of the Worlds)
  • Verloren im Weltraum (Lost in Space)
  • Schöne Neue Welt (Brave New World)

Wem die Streifen nicht bekannt sind kann sich an den selbst erklärenden Titeln festhalten.

In Krieg der Welten nach Orson Welles geht es um mörderische Außerirdische die die Erde angreifen. Nur knapp schafft es die Menschheit dem Untergang zu entrinnen.

Verloren im Weltraum ist eine strapaziöse Reise voller Gefahren bei der der Weltraum als ein abschreckender Ort vorgeführt wird an dem Menschen nichts zu suchen haben bzw. wo sie ansonsten auf vielerlei Arten sterben können.

Die Schöne Neue Welt ist mitnichten schön, bzw. nur auf den ersten Blick. Es ist eine klassische Dystopie also negative Zukunftsvision wobei sich die menschliche Gesellschaft zu einer überaus einschränkenden Hierarchie entwickelt hat.

Der Stoff von Aldous Huxley wird zwar an Schulen gelehrt aber ist meines Wissen noch nicht explizit als Film verewigt. Allerdings gibt es unzählige Kopien die sich daran richten.

 

Etliche Beispiele

Jetzt ist natürlich die nahe liegende Reaktion zu versuchen bekannte Filme die eine/r schon gesehen hat dem einem oder anderen Prototyp zuzuweisen.

Es fällt nicht schwer die Geschichten zuzuordnen. So lassen sich manche Sci-Fi Klassiker gleich mehr als einer Standard-Geschichte zuschreiben.

Nehmen wir etwa Alien – die Story passt in alle drei Genres.

Der Hintergrund von Alien ist eine Schöne Neue Welt wo sogar der Weltraum von Profit-hungrigen Konzernen beherrscht wird.

Diese Konzerne wollen selbst an Monstern Geld verdienen, notfalls auf Kosten einer aufgefressen Besatzung die Vorloren im Weltraum ist bzw. auf ihrem eigenen Schiff.

Der Krieg der Welten findet zwar auf relativ kleinem Raum statt nichtsdestotrotz greifen auch bei Alien die Außerirdischen schonungslos an und wollen uns vernichten bzw. schlicht auffressen.

Star Wars passt immer noch in zwei Genres – Krieg der Welten (oder eben Sterne) und Schöne Neue Welt.

Immerhin haben wir es mit einem Imperium zu tun das eine faschistisch regierte absolute Monarchie darstellt mit einem Imperator an der Spitze.

Blade Runner entspricht Schöne Neue Welt. 2001 – Odyssee im Weltraum spiegelt Verloren im Weltraum wieder.

Das sog. Sujet von SF-Filmen ist ist immer wieder gleich oder zumindest sehr ähnlich.

Selbst wenn uns sehr gute Filme neueren Datums ansehen die zumindest Versuchen nicht Klischees wieder zu käuen:

  • Der Marsianer – Verloren im Weltrum (eben auf dem Mars in diesem Fall).
  • Interstellar – Verloren im Weltraum in einem schwarzen Loch oder bereits auf dem Weg dahin.
  • Moon – Verloren im Weltraum oder eben auf dem Mond und Schöne Neue Welt der Klone.

Warum schreib ich das jetzt? Will ich Euch jegliche Freude an bestehenden und zukünftigen Science Fiction Filmen nehmen? Meine Absicht ist eine Andere.

Es ist überaus erfrischend nach den wenigen Kleinoden der Vernunft oder besser gesagt emotionalen Intelligenz zu suchen.

Es ist eine Freude SF-Filme zu entdecken die und nicht die selben verbrauchten Geschichten immer wieder auftischen.

Zudem ist es interessant zu überlegen wem alles eine fortlaufende Wiederholung der der oben genannten Bedrohungsszenarien dient.

 

Die Zukunft ist schrecklich!

Seien wir ehrlich, keiner der drei üblichen Mythen die in Sci-Fi Filmen verewigt werden ist eine von Optimismus geprägter.

Wer verdient also an Massen die immer wieder vor Augen geführt wird wie schrecklich und beängstigend sich die möglichen Zukünfte gestalten?

Ich sage andere Welten sind möglich. Die Hollywood Maschinerie will uns hingegen in einem Alptraum festhalten der uns in Angst und Schrecken versetzt.

Besonders bedauernswert wird diese negative Zukunftsvision wenn wir bemerken wie sehr etwa Außerirdische als Projektionsfläche unserer eigenen Grausamkeit herhalten.

Wenn wir uns auch noch daran erinnern, das Alien schlicht Fremder also sowohl Ausländer/in wie Außerirdische/r bedeutet kann es schon direkt mulmig werden.

  • Warum würden Menschen immer wieder Ängste vor Fremden schüren – in anderen Worten Fremdenängste?
  • Wem nützt es wenn immer wieder Angst vor dem Anderen beschworen wird bzw. die Menschen grundsätzlich Angst gehalten werden?

Diese Fragen stelle ich mir wenn ich die Vielzahl dieser deprimierenden Zukunftsvisionen veranschauliche. Ich sage absichtlich Vielzahl nicht Vielfalt denn es handelt sich viel eher um Einfalt.

Diese einfältigen Geschichten sind eine Art Mantra das möglichst simpel gestrickt ist und sich bestens zur Wiederholung eignet.

Wie Goebbels mal sinngemäß sagte: Eine Lüge braucht nur oft genug wiederholt werden um zur Wahrheit zu werden.

Wir können natürlich annehmen, dass all dies aus Zufall geschieht und wir all diese Filme vorgesetzt bekommen weil die Filmemacher/innen die selben Urängste plagen.

Schließlich sind Regisseure wie wir Normalsterbliche – dennoch ist es auffällig wie selten optimistische Abweichungen von diesen düsteren Geschichten zu finden sind.

Es gibt sie natürlich trotzdem, die Ausnahme von der traurigen Regel. Einer meiner Favoriten ist etwa Contact mit Jodie Foster.

Der Film spielt zwar ein wenig auf Verloren im Weltraum und Schöne Neue Welt an verlässt sich aber nicht auf die Mythen bzw. schafft es sie auseinander zu brechen.

Die Reise zu den fernen Sternen geschieht nämlich nicht im Weltall sondern auf der Erde. Die Schöne Neue Welt ist lediglich die in der wir bereits leben.

 

Alte Geschichten nacherzählen ist populär

Manche Filme schaue ich mir hingegen von vornherein nicht gerne an weil sie so sehr auf den einen oder anderen Mythos reduziert werden.

Viele Filme vermögen lediglich die altbekannte Geschichten aus zu schmücken oder schlimmstenfalls in die Länge zu ziehen.

Gravity mit Sandra Bullock bekam zwar Oscars und ich mag sowohl sie als auch George Clooney als Schauspieler aber die Handlung ist mit „Verloren im Weltraum“ mit einem Satz erzählt.

Der Rest des Streifens ist nur Quälerei. Wir sehen wie die Astronauten sterben und leiden und sich ans Leben klammern. Ich musste nach ca. 15 Minuten bereits ausschalten.

Auch bei Tribute von Panem konnte ich gerade noch den ersten Teil ertragen. Ich konnte mich seitdem nicht mehr durchringen Teile 2 bis 4 anzuschauen.

Die Panem-Reihe ist zu sehr eine klassische Dystopie gespeist von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Eher zeigt sie das alte Römische Reich als eine erstrebenswerte Zukunft.

Immer wieder versuche ich Science Fiction Filme zu finden die nicht vor Allem auf Effekte setzen und mit blutrünstigem Kampfszenen locken.

Filme die vor Allem eine Zukunft ersinnen die es wert wäre zu erleben sind mein Favorit. Meist gehe ich leer aus. Den Leuten scheint es allerdings zu gefallen.

Selbst einige meiner liebsten Sci-Fi Filme entsprechen haargenau den oben genannten Stereotypen.

Blade Runner etwa ist wie vielen Andere nur eine Schöne Neue Welt-Variation. Doch selbst dabei taucht der Krieg der Welten Stoff auch auf. Die Androiden sind die Fremden de uns bedrohen.

Der Sinn dahinter scheint es wie seit Tausenden von Jahren die Wärme der Gruppe am Lagerfeuer zu sein.

Wir erzählen immer wieder die alten Mythen um die Gruppenzusammenhalt zu stärken. Auch in Hinblick auf die Zukunft versuchen wir uns zu versichern das alles so bliebt wie es war laut unserer Ahnen.

 

Star Trek schafft Abhilfe

Manchmal ist aber die Abhilfe nicht weit. Wer die Star Trek Serie New Generation kennt weiß was ich meine.

Zumindest am Anfang also in den ersten Staffeln ist New Generation keinem der drei oben genannten Mythen zuzuordnen.

Weder geht es um Krieg mit anderen Spezies noch ist Picard und seien Crew im Weltraum verloren.

Auch die die Zukunft im Star Trek Universum von New Generation ist keinesfalls dystopisch. Ganz im Gegenteil, das Weltall wird weitgehend friedlich erforscht.

  • Die Sternenflotte erobert nicht sie erkundet
  • das Geld ist abgeschafft
  • auf der Erde wird nicht mehr gehungert.

Außerirdische gelten nicht als Feinde per se, sondern als potenzielle Alliierte bzw. zumindest als Studienobjekte.

Mit Voyager und auch in den späteren Staffeln von New Genartion ist diese positive Grundlage wieder Stufenweise verloren gegangen.

  • Um die Serie Massen-tauglicher zu machen mussten etwa die Borg her und somit der Krieg der Welten. Fast sofort versuchen sie die Erde zu erobern.
  • Bei Voyager ist die Crew von Anfang an Verloren im Weltraum und muss sich wiederholt mit den Borg und anderen gemeingefährlichen Aliens herumschlagen.
  • Spezies 8471 ist etwa noch bissiger als die Borg und erinnert wohl nicht zufällig an die Alien-Filme.

Wenn wir uns die aktuellen Star Trek Filme mit Chris Pine ansehen geht es eigentlich andauernd um Krieg der Welten. Immer wieder versuchen Fremde die Erde zu bedrohen.

Das neuen Star Trek Filme spiegeln eigentlich nur unsere Nachrichten-Normalität von Krieg und Terror wider.

Das ist leider sehr rückwärtsgewandt im Gegenteil zu den utopischen Visionen der Star Trek Serien aus den Neunziger Jahren.

 

Alternative Geschichten sind da bzw. nicht schwer vorstellbar

Es wäre wirklich aufschlussreich eine Zukunftsvision zu sehen die sich mit einer höher entwickelten auf der Erde Zivilisation befasst.

Außerirdische die keinen mordenden Monster sind wären wirklich erfrischend. Sie können getrost übermächtig sein aber ohne diese Macht automatisch gegen uns zu wenden.

Reisen im Weltraum die von Neugier und Forscherdrang gekennzeichnet sind wären wunderbar. Das Wort Pioniergeist liegt mir förmlich auf der Zunge.

Zuletzt ist mir nur ein Film bekannt der sich abseits der ausgetretenen Pfade der Anti-Zukunftspropaganda bewegt: Arrival. Leider ist er nicht ganz so gelungen wie zu hoffen war.

Wollen wir auf mehr hoffen. Gibt es Filme abseits der Standard-Geschichten die Euch einfallen? Teils es mir unterm Beitrag mit!

An angehende Filmschaffende geht die Bitte: Versucht es mit einem Stoff der nicht Stereotyp ist. In Schriftform gibt es etliche solcher Werke bereits.

Warum verfilmt keine/r Picknick am Wegesrand von den Strugatzkis oder den Rama-Zyklus von Clarke? Asimovs wichtigste Werke warten nach wie vor.