„Die Krieger der Stille“ Trilogie von Pierre Bordage

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Wer vor der Lektüre eines Werkes die Amazon Bewertungen bemüht wird oftmals ein großartiges Buch verpassen und stattdessen ein zweitklassiges Buch lesen. Ich schaue mir diese Laien-Kritiken meist nur im Nachhinein an um zu sehen ob ich mit ihnen übereinstimme oder nicht. Eine Ausnahme bilden die Bücher wo ich mich richtig quäle und wo ich nachsehen will ob ich der Einzige bin.

Bei der „Krieger der Stille„-Trilogie von Pierre Bordage, einem überraschenden Bestseller aus Frankreich (überraschend weil der Mann vorher nichts geschrieben hatte) schaute ich im Nachhinein zu Amazon.

Die meisten Rezensionen sind eher bis ganz negativ und zwar weil die Personen die sie verfassten offenbar den Autoren mit seinen Inhalten verwechselten.

In der Trilogie die aus

  1. Die Krieger der Stille
  2. Terra Mater
  3. Die Sternenzitadelle

besteht wird nichts ausgespart was wir in unserer menschlichen Geschichte immer wieder aufführen

  • Völkermord
  • Folter
  • Vergewaltigung

Zu Anfang empfand ich das auch als schwer erträglich. Der Autor weidet sich allerdings niemals an diesen schrecklichen Geschehnissen wie das manche Romane tun die ich dann anschließend weglege. Bordage vermag zu zeigen, dass sie scheußlich sind ohne sich zum Komplizen zu machen. Seltsam, dass er trotzdem dafür verurteilt wird.

Wer sich auf diese Schilderungen einlässt,

  • die ein wenig Mittelalter
  • etwas den Zweiten Weltkrieg
  • und ganz viel an Star Wars

bemühen wird belohnt mir einer extrem fesselnden Geschichte die einen nicht loslässt.

Wie bei Star Wars oder der Wüstenplanet wird auch bei Bordage mit scheinbar übersinnlichen Kräften ein Kampf zwischen Gut und Böse ausgefochten.

Die beiden Lager sind zwar nicht strikt getrennt aber die Grenze ist immer wahrnehmbar und so können wir mit den Guten mitfiebern, trotz ihrer offensichtlichen Fehler. Trotz der Rückverweise aufs Mittelalter, selbst begrifflich ist von Rittern die Rede, verfällt Bordage nie in die komplette Beliebigkeit der Fantasy. Die Krieger der Stille-Romane sind nie reaktionär. Vielmehr entdeckte ich in ihnen oftmals die Hintergründe der Quantentheorie obzwar sie nie explizit erwähnt werden.

Dennoch ist der Autor versucht seine Story stringent an deinem Faden aus logischen Erklärungen entlang zu führen trotz seiner „magischen“ Elemente.

So können die Krieger der Stille auf ihren Gedanken reisen. Sie rufen in einer Art Meditation das sog. „Antra“ zu Hilfe und vermögen sich somit auch von Planet zu Planet zu bewegen. Das gelingt sonst nur mit Raumschiffen oder Transportvorrichtungen die eine Teleportationen ermöglichen, sog. „Derematen“. Das Antra ist übrigens nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Medikament.

Das Konzept jedenfalls ist faszinierend und denkt die derzeitigen Erkenntnisse der Quantenmechanik zu Ende.

Wir wissen bereits jetzt dank Versuchen, dass wir Dinge mit den Gedanken bewegen können (im Sinne der Telekinese), bzw. zumindest ihre Richtung zu beeinflussen. Bordage denkt dieses Prinzip konsequent zu Ende. Die Geschichte spielt einige Tausend Jahre in der Zukunft. Die Menschheit hat etliche Planten besiedelt ist aber in einen imperialen Feudalismus zurückgefallen.

Bordage schildert den moralischen Verfall mit einer großen Meisterschaft.

Die Menschheit und mir ihr die gesamte Galaxie ist von einem schwarzen Loch oder dem Nichts bedroht, dass sich mit Hilfe der Menschen und sog. Scaythen die Gedanken beeinflussen können. Diese Scaythen stammen vom Planeten Hyponeros der scheinbar unauffindbar ist. Im dritten Teil jedoch, Die Sternenzitadelle wird er dennoch aufgesucht von einem Krieger der Stille und ausgekundschaftet. Die Geschichte dahinter ist sogar recht plausibel wenngleich trotzdem phantastisch. Darum geht es aber nicht.

Der Werdegang der positiven Helden steht im Zentrum der Trilogie.

Ihr scheinbar aussichtsloser Kampf gegen das Nichts und die Zweifel sowie deren Verbündete. Die Krieger der Stille sind ja an sich ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich, der Krieg findet nicht wirklich als Schlacht statt, schon gar nicht kämpfen Raumschiffe gegeneinander oder so etwas. Hier geht um den spirituellen Weg. Die Einflüsse der Zen-Meditation warten auch an jeder Ecke der Geschichte. In der Ruhe liegt die Kraft sozusagen um ein etwas verbrauchtes Klischee zu zitieren.

Bei Bordage ist gar nichts verbraucht, wir lesen zwar von Dingen die wir so auch aus den Nachrichten kennen doch die Kraft der Menschlichkeit obsiegt auf wundersam Weise die wir so noch nicht kannten.

Daran erfreuen wir uns und vor Allem warum sie das tut denn die „Scaythen“, die Kirche des Kreuzes (die unsere sehr ähnelt) und das Imperium sind übermächtig und werden dennoch nicht einigen Individuen fertig . Es ist ein Abenteuer das seines gleichen sucht.

Ich habe alle drei Romane mit jeweils ca. 600 – 700 Seiten innerhalb von wenigen Tagen verschlungen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, ich muss ja auch Geld verdienen, wäre das noch schneller gegangen.

Bitte nicht auf amateurhafte Kritiken bei Amazon hören. Heyne hat zwar spät das Potential erkannt, in Frankreich kam die Trilogie schon in den Neunzigern heraus aber genau das Richtige getan. Die Krieger der Stille Trilogie ist eines der größten Werke der letzten Jahrzehnte. Dabei habe ich jetzt schon etliche Trilogien gelesen von einzelnen Büchern ganz zu schweigen. Ich lese ungefähr eins bis zwei pro Woche.

Ach so, übrigens war die ARD bei Amazon unterwegs und hat die Zustände dort enthüllt. Es empfiehlt sich Bücher woanders zu kaufen. Am besten beim netten Buchladen von nebenan.

*Das neue Cover das wir da oben sehen, gefällt mir nicht besonders, die alten Cover waren viel angemessener aber leider fand ich es nicht in ausreichender Qualität im Netz vor.