Weltensturm von Scott Westerfeld

Wer sich das Cover vom Roman Weltensturm des amerikanischen Autoren Scott Westerfeld anschaut, wird gleichermaßen angezogen und abgeschreckt. Beeindruckende Raumschiff-Typen und eine schier unermessliche Flotte im Hintergrund. Ähnlich verhält es sich mit dem Klappentext,

da werden Klischees vom Feinsten bemüht und Name-Dropping betrieben um den scheinbar typischen Space Opera Fan zu ködern.

Ich habe das Buch daher oft in den Händen gehalten und immer wieder weggelegt bis ich eines Tages in Eile doch danach gegriffen habe. Ca. 830 Seiten hat das Werk und ich habe diese Zahl beinahe spielend hinter mich gebracht. Das will doch etwas heißen.

Dabei schafft es Westerfeld die Klischees an den richtigen Stellen zu durchbrechen. Zwar haben wir große Gefühle, Telepathie, künstliche Intelligenz, einen Kaiser und mindestens einen Gott doch zu keinem Zeitpunkt wirkt das gestelzt oder hanebüchen wie bei einigen Machwerken des Genres.

  • Da ist die Hauptfigur Kapitän Zai, der einen Prototypen eines neuen Kriegsschiffs an der Grenze zum Intimfeind des Kaiserreiches ausprobieren soll. Er will nicht so richtig in das Schema des Helden passen. Er ist eher ein Behinderter der nur dank etlicher Prothesen aufrecht gehen und sich bewegen kann.
  • Da sind die unsterblichen Toten die weder leben noch tot sind.
  • Da ist der Kaiser der keineswegs den ekelhaften Despoten abgibt der er eigentlich ist.
  • Da sind die Außerirdischen die doch irgendwann Menschen waren aber jetzt eher Cyborgs auch wenn dieser Begriff kein einziges Mal fällt.

Immer wieder lesen wir von der Gravitation oder von den Schranken aus Geschwindigkeit und Zeit.

Westerfeld hat sogar umgangssprachliche Begriffe erfunden um diese Phänomene in Worte zu fassen, etwa den Zeitdieb. In Weltensturm spielt die Zeit eine große Rolle denn es gilt innerhalb von Jahren oder Jahrzehnten mit Beinahe-Geschwindigkeit zu reisen. Wenn dies also eine Space Opera ist dann eine naturwissenschaftlich fundierte. Spannend ist sie dennoch fast durchgehend denn die Lebensgefahr angesichts eines übermächtigen Gegners ist immer wieder spürbar. Zudem lauert der Verrat oder die Verschwörung scheinbar an jeder Ecke.

Am Ende gerät das Freund und Feind-Gefüge aber noch gehörig ins Wanken und damit ist endgültig die simple gut-böse Dichotomie des Genres aufgehoben.

Auch die guten haben Dreck am Stecken von Anfang an denn als Politikerin oder Soldat ist es schier unmöglich sauber zu bleiben. Nebenbei erfahren wie ein Machterhalt funktionieren kann oder wie Rebellion vonstatten geht die auf einem Wandel der Überzeugungen basiert.

Als die 830 Seiten zu Ende waren dachte ich nur: „Was, schon zu Echte?“

und erwartete förmlich ein Sequel, aber wie es scheint hat der Autor keinen verfasst. Ich hoffe sehr, dass Weltensturm eines Tages mal verfilmt wird. Das ist ein großer Stoff, eine Zivilisation von 80 Planeten die in die Monarchie zurückfällt und an das ewige leben im Jetzt glaubt.

Übrigens, die Flotte auf dem Cover kommt im Roman selbst gar nicht vor. Darin ist nur von einzelnen Raumschiffen die Rede. Also nicht vom Cover einnehmen lassen, auf die eine oder andere Weise. Erschienen ist das Buch im allseits beliebten Heyne Verlag.