Norman Spinrad: Daß mich das große Nichts umfange

Wow. Weder war mir Norman Spinrad vorher ein Begriff noch war ich auf die epische Wucht seines umständlich betitelten SF-Romans „Daß mich das große Nichts umfange“ vorbereitet.

Mit Wucht meine ich keinesfalls den Umfang und mit episch auch nicht „großartig“ sondern im literarischen Sinne episch. Das Buch beginnt mit dem Ende:

Das Raumschiff Dragon Zephyr treibt ohne Hyperantrieb im Weltraum und die Crew sowie Passagiere sehen dem langsamen Erstickungstod entgegen sobald die Sauerstoffvorräte knapp werden.

Von da an versucht der Kapitän die Geschichte aus seiner Sicht zu rekapitulieren und sich damit quasi zu rechtfertigen den ihn plagen Schuldgefühle die aussichtslose Lage des Schiffs ist nämlich nicht durch Fremdeinwirkung zustande gekommen.

Spinrad macht aus Science Fiction etwas was mir noch nie zuvor in der Form begegnet ist.

Er vermag darin die menschliche Sinnsuche nach dem ewigen Leben ohne eine religiöse oder technische Komponente in den Mittelpunkt zu stellen. Ganz im Gegenteil, die Pilotin die auf höchst körperliche Weise mit dem Schiffsantrieb verbunden ist befindet sich auf Sinnsuche wie das in der New Age Ära oft der Fall war und heute gerne mit „Esoterik“ verwechselt wird. Es geht um Spiritualität, Körper und Seele. Die Geschichte ist beinahe ethnografisch.

Es ist kein leichter Lesestoff, allein die vielen Begriffe aus dem französischen und spanischen werden die meisten abschrecken.

Zusätzlich gibt es eine Menge Begriffe aus dem spirituellen Bereich. Ich konnte Daß mich das große Nichts umfange nur mit guter Laune und klarem Verstand lesen denn eigentlich handelt das Werk auch im gewissen Sinne von Todessehnsucht.

Ganz sicher etwas für den heroischen Leser. Ich habe hier die Ausgabe von Bastei Lübbe aber das Cover ist im Netz nirgends zu finden. Daher habe ich ein Bild vom Original Cover oben gezeigt. Der Titel ist auch ganz anders: The Void Captain’s Tale.